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Nach Schätzungen von Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken pro Jahr weltweit mehr als 10 Millionen Menschen an den verschiedenen Formen der Virushepatitis. In Deutschland wird die Zahl der Infektionen auf jährlich circa 100 000 geschätzt. Die Virushepatitis zählt zu den häufigsten Reiseerkrankungen.

Der Begriff "Hepatitis" bezeichnet eine Entzündung der Leber. Im Falle einer Virushepatitis ist die Ursache ein viraler Infekt. Patienten mit einer Hepatitis zeigen häufig eine Gelbsucht (weshalb beide Begriffe oftmals fälschlich synonym gebraucht werden) sowie dunkelgefärbten Urin und hellen Stuhl. Die Leber schwillt in der Regel durch die Entzündung an. Deshalb klagen die Patienten häufig über einen dumpfen, unangenehmen Druck unter dem rechten Rippenbogen (siehe Abbildung).

Infolge der Beeinträchtigung des Magen-Darm-Traktes kommt es in vielen Fällen zu Begleitsymptomen wie Appetitlosigkeit mit Widerwillen gegen Fett, Fleisch, Alkohol und Nikotin, Übelkeit, Brechreiz, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall. Oft klagen die Patienten über Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen.

Bis heute wurden sechs Erreger einer Virushepatitis beschrieben. Diese werden mit den Buchstaben A, B, C, D, E und G bezeichnet. Allen Erregern ist gemeinsam, dass sie nach einer unterschiedlich langen Zeit zur Entzündung der Leber führen können, die im schlimmsten Falle tödlich endet. Neben den Viren A bis G gibt es noch zahlreiche weitere Viren, die eine Hepatitis auslösen können.

Hepatitis

Hepatitis A

Die Hepatitis A ist die insgesamt häufigste Reiseinfektion. Sie wird überwiegend durch kontaminierte Nahrungsmittel (Muscheln und Salate!), Getränke (Eiswürfel!) und Kontakt zu Fäkalien übertragen. Der Stuhl erkrankter Personen ist mit einer sehr hohen Virusmenge belastet. Die größte Ansteckungsgefahr (circa 70% der Fälle) besteht bei Reisen in Länder mit einer hohen Erkrankungsrate (Orient, Südamerika, Afrika und Asien) insbesondere in Verbindung mit schlechteren hygienischen Verhältnissen z.B. beim Camping. Als Risikogruppe gelten aber auch alle, die, wo auch immer, mit Stuhl oder kontaminierten Materialien in Berührung kommen können. Hier sind beispielsweise zu nennen: Kanalarbeiter, Krankenpflegepersonal, aber auch Kindergärtnerinnen.

Bis vor 40 Jahren war die Hepatitis A auch in Deutschland weit verbreitet. Meist kam es schon im Kindesalter zu Infektionen. In diesem Alter verläuft die Infektion nur sehr selten schwerwiegend und hinterlässt einen lebenslangen Schutz. Infolge steigender hygienischer Standards ist jedoch eine Infektion im Kindesalter heutzutage die Ausnahme. Die Erkrankung erfolgt nunmehr überwiegend im Erwachsenenalter mit schwerwiegenden Krankheitsverläufen, vor allem jenseits des 50. Lebensjahres.

Die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung (die Inkubationszeit) beträgt etwa zwei bis sieben Wochen. Bei einer Reiseinfektion zeigt sich die Erkrankung in der Regel erst nach der Rückkehr, weshalb im Herbst, also nach der Hauptreisezeit die meisten Fälle gemeldet werden. Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis von Antikörpern im Blut.

Impfungen

Die Bedeutung als häufigste Reiseinfektion und die zunehmend schweren Erkrankungen in höheren Altersgruppen haben zur Entwicklung mehrerer gut wirksamer Impfstoffe gegen die Herpatitis-A geführt. Diese sollten z.B. bei Reisen in Risikogebiete spätestens 2 Wochen vor Reiseantritt appliziert werden, damit sich ein ausreichender Impfschutz ausbilden kann. Dieser besteht nach einmaliger Impfung für ein Jahr und kann durch eine zweite Injektion nach etwa sechs bis zwölf Monaten auf mindestens 10 Jahre verlängert werden.

Besonders für häufig Reisende bietet sich eine kombinierte Impfung an, die sowohl die Hepatitis A wie auch B abdeckt; diese Impfung gibt nach dreimaliger Gabe Schutz für 8-10 Jahre, bevor eine Auffrischung ansteht.

Die Impfung ist generell gut verträglich. Nur in seltenen Fällen werden schwerere unerwünschte Wirkungen wie Fieber, Kopfschmerz oder Müdigkeit beobachtet.

Immunglobuline

Neben der Immunisierung durch Impfung besteht weiterhin die Möglichkeit, kurzfristig einen Schutz aufzubauen, indem Immunglobuline, also Antikörper, verabreicht werden. Diese werden aus Spenderblut gewonnen und gewähren schon nach wenigen Stunden Schutz gegen Hapatitis-A-Infektionen. Die Schutzwirkung ist allerdings zeitlich begrenzt auf maximal 2-3 Monate, da die Antikörper wieder abgebaut werden, ohne dass eigene Immunglobuline nachgebildet werden.

Die Injektion ist oftmals ein wenig schmerzhafter als bei den Impfungen, da eine größere Menge verabreicht werden muß. Sehr selten wurden allergische Reaktionen bis hin zum Schock nach mehrmaliger Antikörpergabe beobachtet. Deshalb sollte nach Möglichkeit nicht öfter als drei- bis höchstens fünfmal von dieser Schutzmaßnahme Gebrauch gemacht werden. Die Injektion von Immunglobulinen ist und bleibt allerdings Mittel der Wahl bei kurzfristig benötigtem Schutz wie z.B. bei unvorhergesehenen Reisen in gefährdete Regionen.

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